Zu Besuch im NordSüd Verlag

Kerstin Hau reistEinmal Zürich und zurückNordSüd Verlag
Vergangenen Donnerstag reiste ich nach Zürich, um freitags den NordSüd Verlag zu besuchen. Große Aufregung mit Herzklopfen. Nächstes Jahr erscheint dort mein erstes Bilderbuch, worüber ich sehr glücklich bin. Nach meinem Besuch mehr denn je.
Tolle Menschen, toller Verlag!

NordSüd Verlag
Nach herzlichem Empfang stellte mir Andrea Naasan ihre Kolleg*innen vor, führte mich durch die Räume, wir sprachen über Projekte und sie gewährte mir Einblick in ihren Arbeitsalltag, der gut unter „Projektmanagement mit Plus“ laufen könnte. Stets muss sie Aufwand, Zeit und Umfang im Blick haben. Sie schaut nach vorne, nach hinten und zur Seite hinaus.

Modernes Lektorat
Als Lektorin ist sie gleichzeitig Produktentwicklerin. Sie sucht nach neuen, interessanten Themen, prüft Manuskripte und begutachtet sie, hält nach neuen Talenten Ausschau, beratschlagt über Illustrationen, beobachtet den Markt und die Mitbewerber, bereitet Messen vor, präsentiert Projektideen, diskutiert im Team über Themen, Texte, Bilder, Cover, Titel und viel mehr, arbeitet eng mit „ihren“ Künstler*innen zusammen. Auch die Kontaktpflege mit Literaturagent*innen fällt in ihr Aufgabengebiet.

Zusammen mit ihren Kolleg*innen gestaltet sie das Programm für den internationalen Markt, plant Übersetzungen und sucht entsprechende Sprachexperten. Etwa 80% der deutschsprachigen Titel werden in andere Sprachen übersetzt. Sie erstellt Angebote, entwickelt Marketing- oder Vertriebsideen, kalkuliert und überblickt die Produktion und koordiniert sämtliche Arbeitsschritte bis zum fertigen Buch. Führen, planen, steuern, kommunizieren und Beziehungen pflegen. Anspruchsvoll, vielfältig, spannend. Wow! Ganz wichtig: der Mensch steht im Mittelpunkt – vor allem die Zielgruppe.

Ein Verlag mit Geschichte
Andrew Rushton, stellvertretender Verleger und Geschäftsführer, erzählte von den kosmopolitischen Verlagsgründern Dimitrije und Brigitte Sidjanski. Er, aus Mazedonien geflohen, sie in Zürich geboren und aufgewachsen, zwei Jahre in London tätig, heirateten und emigrierten in die USA. Zurück in der Schweiz gründete das Ehepaar 1961 den NordSüd Verlag. Sie verlegten Bücher, die von Beginn an auf internationale Koproduktionen setzten. Grenzüberschreitend sollten die Geschichten sein und Menschen in der nördlichen wie der südlichen Hemisphäre erreichen.

Wichtig waren und sind die persönlichen Beziehungen zu den Künstler*innen. Dazu gehöre eine transparente Kommunikation, Offenheit und Vertrauen. Bis heute verstehe sich NordSüd als internationaler Verlag und führe das Erbe der Verlagsgründer in der W1-Media Group fort. NordSüd veröffentliche jährlich ungefähr 40 Bücher, davon einige in mehreren Sprachen. Ein wichtiger Markt sei neben dem deutschsprachigen Raum der englischsprachige, der vom Imprint NorthSouth Books Inc. von New York aus betreut wird.

Herwig Bitsche, der NordSüd seit 2011 führt, betonte, dass der Verlag auf langfristige Zusammenarbeit setze und sich seinen Künstler*innen verpflichtet fühle. Von einigen betreue NordSüd das Lebenswerk. Der Verlag schätze transnationale Zusammenarbeit und lege großen Wert auf die Ausstattung der Bücher.

Überall ein Wir
Was ich mitnehme: in meinem Gepäck, ein Märchenbuch, illustriert vom erfolgreichen Schweizer Plakatkünstler Herbert Leupin. Und sonst?
NordSüd macht nichts nach, sondern wagt mutig Neues. Das Programm spiegelt sich im Corporate Behavior wider. Mein Eindruck, dass Taten hier mehr als Worte zählen, hat sich bei meinem dreistündigen Besuch rundherum bestätigt. Attribute, die ich mit NordSüd verbinde: herzlich, offen, mutig, neugierig, gastfreundlich, lebendig, bunt, vielseitig, kommunikativ, wertschätzend.
Ich glaube, das würde den Gründern Sidjanski gefallen.

Zürich, wie ich es gesehen habe: