Von Kindern und Eltern


Quelle Video: Elifmusikofficial

Song „Doppelleben“ von ELIF
Ihr habt mir mein Leben doch geschenkt,
Doch ein Stück davon behaltet ihr.
Merkt ihr nicht, dass unsere Zeit verrinnt?
Wir könnten so viel tiefer gehen.

Wollt ihr denn nicht hören,
was in meinem Herzen klingt?
Fangt mich auf, einfach nur auf
und nehmt mich so, wie ich bin.

Ich will euch alles sagen können,
Damit ihr seht und versteht, wer ich bin.
Ich will euch alles fragen können,
Damit ich weiß, was noch geht und wohin.

Geheimnisse anvertrauen.
Einen neuen Boden bauen.
Den ganzen Fake aufgeben.
Schluss mit diesem Doppelleben.

Nichts mehr verstecken.
Den Kreis durchbrechen.
Ich geb euch meinen Segen.
Schluss mit diesem Doppelleben.
Schluss mit diesem Doppelleben.

Ja, ich bin und bleibe euer Kind,
Doch bei euch kann ich nicht mehr weinen.
Ihr habt’s ja selber besser nicht gelernt.
Sollte es bei uns nicht anders sein?

Quelle kompletter Songtext: http://lyricstranslate.com/


Quelle Cover: http://www.elif-musik.de

Reflexion der Kindheit
Erwachsene Kinder setzen sich mit ihrer Kindheit und der Beziehung zu ihren Eltern auseinander. Sie erkennen die Defizite, die gestörte oder fehlende Bindung, das Nicht-Gesehenwerden, Grenzverletzungen, unzureichende Spiegelung. Sie lösen sich aus einer Art – wie ELIF singt – Doppelleben. Das Netz ist voll von persönlichen Geschichten und Gedanken.

Haben sich die Kinder früher überwiegend aus Abhängigkeit in das Familiensystem eingefügt, reflektieren sie heute das Damals und distanzieren sich. Sie wollen sich nicht mehr verbiegen oder verletzen lassen. Sie wollen nicht mehr dem Bild entsprechen, dass die Eltern von ihnen gezeichnet haben.

Verschließen sich Eltern gegen eine selbstkritische Sicht oder fehlt den Kindern die Kraft für eine direkte Auseinandersetzung, kehren sie dem Elternhaus den Rücken. Sie versagen ihren Eltern die Teilhabe an ihrem Leben. Aufrecht gehen, nie mehr verbiegen – könnte ein Songtitel sein.

Zwischen den Kindern und den Eltern klafft ein Riss. Sprachlosigkeit. Fehlende Worte, begrenzter Zugang zu Gefühlen und Bedürfnissen, mangelnde Empathie. Es existieren Projektionen von Kindern, die es in echt gar nicht gibt, nie gegeben hat.

Man möchte Eltern fragen, ob sie die Menschen, die sie ihre Kinder nennen, überhaupt kennen? Sehen sie wirklich deren Persönlichkeit? Oder nur das, was ihren Vorstellungen entspricht bzw. davon abweicht? Wie viele elterliche Bedürfnisse muss ein Kind befriedigen?

Eine Mutter sagte mal kurz vor Weihnachten, sie habe ein Recht darauf ihren (erwachsenen) Sohn am 24.12. zu sehen. Hat sie das? Glauben Eltern wirklich, ein lebenslanges Recht auf einen Menschen zu besitzen, weil sie ihm einst das Leben „geschenkt“ haben? Oder ist es eher ihre Hilflosigkeit, die solche Sätze hervorbringt? Keine Belohnung, keine Bestrafung steuert den erwachsenen Nachwuchs. Die einstigen Machtinstrumente greifen nicht mehr. Die Forderungen der Eltern laufen ins Leere.

Wenn das Gehen weniger schmerzt als das Bleiben
Eine Beziehung, die auf Macht, vermeintlichem Recht, Abhängigkeit und überholten Grundsätzen baut, ist keine wirkliche Beziehung. Kleine Kinder sind dem ausgeliefert. Ihre Eltern tragen die Verantwortung. Erwachsene Kinder haben die Freiheit zu gehen. Echte Beziehung lebt von Augenhöhe, Austausch, Gleichwertigkeit, Offenheit und Einfühlung.
Eltern, die ihre Kinder heute als Befehlsempfänger sehen, mit Belohnung und Strafe dressieren und über ihre Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse hinweg regieren, brauchen sich in einigen Jahren nicht beklagen, dass ihr Nachwuchs nichts mehr von ihnen wissen will. Das Gehen schmerzt weniger als das Bleiben. Traurig ist es trotzdem.


Norbert Rogsch schreibt auf seinem Blog unter dem Titel Der Kontaktabbruch vom Kind zu seinen Eltern. Ein Missverständnis aus meiner Sicht: „Kontaktabbruch beginnt für mich schon in der Kindheit durch elterliche Erziehung, durch elterliches Fehlverhalten, durch elterliche körperliche und seelische Gewalt, durch elterliche Übergriffe, durch elterliche Grenzverletzungen gegenüber ihrem Kind, durch nicht oder falsch verstehen des Kindes, durch narzisstische Störungen der Eltern und durch Missbrauch ihrer elterlichen Macht….Demnach sorgt für mich das negative, destruktive Verhalten der Eltern alleine zu dem Bruch in der Eltern Kind Beziehung bzw. im Kontakt zwischen Eltern und Kind….“
Quelle: www.norbert-rogsch.com, abger. am 20.04.2018


Ingrid Riemann schreibt auf ihrem Blog: „Mein Mitgefühl gilt den verlassenen Eltern, meine Solidarität den verlassenden Kindern. Es erfordert Mut, den Schritt aus der Selbstverleugnung zu wagen, die tiefe Kluft der Entfremdung sichtbar zu machen und meistens alleine hinter sich selbst und seiner Entscheidung stehen zu müssen. Heute weiß ich – so hart dieser Schritt auch ist, er ist in vielen Fällen notwendig. Er hat wenig mit Egoismus zu tun und viel mit Haltung….“
Quelle: www.leben-zuhoeren.de, abger. am 20.04.2018


„Für einen bitterbösen Brief von ihren Kindern würde sie ein Vermögen geben“, heißt es auf den Seiten von Trauernetz Consolare – Trauer- und Lebensbegleitung in Krisenzeiten. Und weiter: „Dann wüsste ich, was ich falsch gemacht habe“, sagt die 52-jährige Mutter. Doch da ist nur Funkstille. Weitaus mehr Kinder als angenommen, brechen den Kontakt zu ihren Eltern ab. So viele, dass jetzt in Ebermannstadt erstmals im Landkreis eine Gruppe für Betroffene installiert wird….
Quelle: http://consolare.de/index.php/verlassene-eltern, abger. am 20.04.2018

Verlassene Eltern finden auf der Seite eine Liste mit Selbsthilfegruppen.