Für einen Einblick in meine Arbeitsweise sowie den Entstehungsprozess meiner Geschichte von Beginn an, hat mir die Bloggerin Kira von „Lesereich von Kira“ viele, spannende Fragen zu „Obacht!“ gestellt, die ich ihr sehr gerne beantwortet habe.

An dieser Stelle: Vielen Dank, liebe Kira, für deine Buchbegeisterung, deine Neugier, dein Interesse und deine tollen Fragen!

Gerne zeige ich hier einen Auszug des Interviews:

Idee zum Buch
Was hat dich dazu inspiriert, die Geschichte von “Obacht!” zu schreiben? Gab es ein konkretes Erlebnis, das in die Geschichte eingeflossen ist?
Die Idee zum Buch entstammt meiner eigenen Auseinandersetzung mit blinden Flecken und Untiefen, Rückblick auf meine Kindheit, Zwiegesprächen mit der „kleinen Kerstin“ und meinem verstorbenen Sohn, einem Familienkonflikt, dem genauen Hinschauen, Hinterfragen und in Kontakt treten, den Fragen: Was lässt Menschen reifen und wachsen? Was hindert sie daran? Was macht das Leben leichter? Was hätte ich mir als Kind gewünscht? Was hätte ich meinem Sohn gewünscht? Beobachtungen und Wahrnehmung dessen, was sich in der Gesellschaft verändert: Aktionismus, (vorschnell) Urteile fällen anstatt (sich selbst) Fragen zu stellen und echte Verbindungen aufzubauen. Ablehnung statt Zuwendung. Eine berufsbegleitende Weiterbildung in Systemischer Beratung hat der keimenden Geschichte Schmierstoff hinzugefügt.

Wie findest du deine Geschichten und Figuren?
Die Geschichten finden mich. Meine innere Welt wird von allerlei Geschöpfen bevölkert. Ich bin vielseitig interessiert, da blüht ständig etwas Neues auf.

Bei welcher Szene von „Obacht!“ hast du selbst kichernd am Schreibtisch gesessen? Was ist deine Lieblingsstelle im Buch?
Am meisten Freude hatte ich an den verschiedenen Reaktionen, Stimmen und Ausrufen von Wimpf, Wompf, Timpe-Ma und Timpe-Pa. Meine Lieblingsstelle ist, wenn das Mienchen seinem Herzen folgt und der Wimpf ruft: „Jetzt wird das Mienchen gefressen!“, und der Wompf entgegnet, dass es nicht gefressen wird.

Wie genau können wir uns die Zusammenarbeit mit Stella Dreis vorstellen?
Eine unmittelbare Zusammenarbeit zwischen Stella und mir gab es während der Entstehung nicht. Nachdem meine Geschichte vom Verlag angenommen wurde, hat der Verlag Stella als Illustratorin vorgeschlagen. Ich habe begeistert Ja gesagt. Wir haben uns über E-Mail und einen Online-Call kennengelernt. Die Arbeit an den Illustrationen wurde vom Lektorat gesteuert. Ab und zu erreichten mich Bilder, Szenen. So wurde ich auf dem Laufenden gehalten, durfte staunen und mich freuen, Anmerkungen machen. Manchmal kamen auch Fragen auf, vom Verlag oder von Stella, die über unsere Lektorin an mich herangetragen wurden. Eine Frage lautete zum Beispiel:
„Sitzt der Timpe-Pa auf einem Fahrrad oder fährt er in einem Auto?“

Meine Antwort, die ich an unsere Lektorin geschickt habe:
„Ich habe den Timpe-Pa klingelnd auf einem Holland-Fahrrad gesehen. Mit einem Auto würde er hupen und nicht klingeln. Die anderen benutzen verschiedene Vehikel: Dreirad, Fahrrad, Laufrad, Seifenkiste, Bobby-Car, Hochrad, Kinderwagen, Tretroller… Jeder benutzt ein anderes, unmotorisiertes Gefährt. Ein Auto hatte ich nicht im Sinn. Was würde dir gefallen? Und Stella Dreis?“

Hier die Szene, wie sie von Stella umgesetzt wurde:

Wie bist du auf die kreativen und originellen Namen der Figuren gekommen?
Mienchen heißt der verstorbene Hund einer lieben Frau aus der Nachbarschaft. Von all ihren Hunden liebte sie diesen am meisten. Ein echtes Herzenshündchen aus dem Tierschutz. Den Namen „musste“ ich mir damals notieren, weil er mich innerlich „anstupste“. Alle anderen Namen sind aus einem Gefühl heraus entstanden. Es ist ein intuitiver Prozess. Mein Gehirn spuckt die Namen aus, mein Mund prüft und wiegt. Wenn ein Name sich zeigt, recherchiere ich, ob es ihn schon gibt und was er bedeutet.

Kinderfrage: Was hast du dir bei den einzelnen Figuren gedacht und wie bist du auf Namen und Aussehen gekommen?
Jede Figur trage ich in mir. Sie sind ein Teil meiner Persönlichkeit. Deshalb sind auch ihre Namen so, wie ich ihre Stimmen in meinem Ohr höre: Einfach da. Jede Figur ist einzigartig und eigenwillig. Der Wimpf ist einer, der alles sieht, sehr aufmerksam ist und alle informiert. Der Wimpf passt auf alle auf. Der Wompf ist einer der sich mehr traut, der auch mal nach vorne geht und dem Wimpf nicht alles glaubt. Der Wompf packt mit an. Die Timpe-Ma ist eine gute Seele, sie hilft gerne, ist etwas ängstlich und macht sich oft mehr Sorgen als notwendig. Der Timpe-Pa ist kurzsichtig, aber ein Macher. Unordung und Überraschungen mag er nicht so gerne. Er will alles schnell in Ordnung bringen, überschätzt sich manchmal selbst und verzapft dann auch Chaos. Das Mienchen ist neugierig, kontaktfreudig, geduldig. Sie denkt gerne nach, interessiert sich für andere und hört auf ihr Herz. Bei Stella haben die Figuren angeklopft und Freundinnen und Freunde gefunden. Stella hat ihnen ihr Aussehen geschenkt.

Ein großes Tier vor der Stadt ist nicht gerade eine vertraute Situation: Wodurch hast du die Geschichte greifbar und abstrakte Gefühle veranschaulicht? Wie integrierst du Alltagsbezug in deinen Geschichten?
Das Buch handelt von Achtsamkeit und unserem Umgang mit (inneren/ äußeren) Blockaden, Ängsten, mit Unheimlichem, Unbekanntem, Unangenehmem, Unbequemem und anderen Un-s. Für mich kam für all das nur ein riesiges „Untier“ infrage.

Planst du Folgebände oder weitere Projekte, die ähnliche Themen aufgreifen?
Ja.

Persönliches Fazit
Was hat dir beim Schreiben von „Obacht!“ am meisten Freude bereitet?
Bisher? Der gesamte Prozess vom allerersten Ideenfunke bis zur Geburt der illustrierten Geschichte, dem Materialisieren zwischen zwei Buchdeckeln. Die tolle Zusammenarbeit mit dem NordSüd-Team und mit Stella Dreis.

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Das vollständige Interview findet ihr auf Kiras Blog. Es ist Teil einer großen Blogtour mit mehreren Bloggerinnen, die das Buch vielseitig, spannend und mit unterschiedlichen Schwerpunkten vom 09.02. – 17.02.2026 auf Instagram und ihren Blogs vorstellen.
Vielen Dank an diese Bloggerinnen-Bande! Richtig toll!!